8. Motive darstellen

8.1 Allgemein

Hast Du, wie im Falle eines Portraits nur ein Hauptmotiv, ist es oft sinnvoll, dein Bild mit dem Motiv zu füllen soweit es eben noch gut aussieht.

Auch bei Architekturfotos ist es oft ratsam den Bildausschnitt so zu wählen, dass das Motiv mehr aus den Details besteht, statt einer Totalen, welche oft ziemlich chaotisch wirkt und die eigentlichen Vorzüge meistens nicht richtig zur Geltung bringt.

Totale – Mittags – F2.8 – 1/2000 S. – ISO 100 – 95 mm

Zoom – Mittags – F2.8 – 1/2500 S. – ISO 100 – 200 mm
Zoom – Schatten – F4.5 – 1/200 S. – ISO 100 – 185 mm

8.2 Das Motiv im Bild platzieren

Ist dein Motiv nicht formatfüllend, so fragst Du dich sicherlich, wohin damit ? In der klassischen Malerei wurde das Motiv oft in der Bildmitte platziert, was den zentralen Teil des Bildes ausdrückt und Symmetrie betont.

Klar kann das in manchen Fällen richtig sein, jenachdem was Du mit deinem Bild aussagen oder zeigen möchtest. In der heutigen Fotografie wirken diese Bilder aber oft langweilig.

Hier kommt der goldene Schnitt ins Spiel, welcher schon von den alten Griechen beschrieben wurde und bis heute als Prinzip in der künstlerischen Gestaltung für einen möglichst harmonischen Bildaufbau steht.

Er ist eine Aufteilung von Flächen und Strecken, welche so berechnet wird: A:B = (A+B) : A
Eine Strecke wird also so aufgeteilt, dass sich das Verhältnis der kleineren zur größeren Teilstrecke wie die größere Teilstrecke zum Ganzen verhält.

Waaaaaaaaaas ?
Genau, geht allen so, außer sie sind Mathematiker/innen, also fangen wir doch lieber mit der etwas leichteren Drittelregel, welche dem goldenen Schnitt sehr ähnlich ist, an.

Drittelregel

Die Drittelregel teilt das Bild horizontal und vertikal in je drei gleich große Teile, so dass das Bild aus neun gleich großen Rechtecken besteht.

Einige Kameras können diese Linien auch im Sucher einblenden (Gitterlinien).
Kann deine Kamera das nicht, versuche das Bild gedanklich in neun gleich große Rechtecke aufzuteilen.

Das Hauptmotiv plazierst Du in diesem Fall dort, wo sich die Linien schneiden.
Bei der Landschaftsfotografie ist die Drittelregel ohnehin besser geeignet als der goldene Schnitt.

Hier platzierst Du den Horizont auf der oberen oder unteren horizontalen Linie, je nachdem was cooler ist (Landschaft oder Himmel). Hast Du jetzt im Bild auch noch ein Motiv, welches Du auf einer der vertikalen Linien platzieren kannst, so kannst Du diesem Motiv mit dieser Platzierung den nötigen Stellenwert zukommen lassen.

Alles was besonders wichtig ist platzierst Du dann bitte auf den Schnittpunkten der Linien. Durch diese Positionierung bekommt das Motiv eine Wichtigkeit, welche Du mit fast keinem anderen Gestaltungsmittel erreichen kannst.

Die Drittelregel kannst Du in allen fotografischen Bereichen anwenden.
Wenn Du dein Motiv so platzierst, erzeugst Du damit einen absoluten Hingucker.

Jetzt kommen wir zurück zum goldenen Schnitt.
Die Linien rücken hier einfach etwas weiter in die Bildmitte, als bei der Drittelregel.

goldener Schnitt

Die Bildwichtigen Teile orientieren sich hier entlang der Schnittkanten oder auch diagonal am mittleren Rechteck.

Fotos, welche dem goldenen Schnitt entsprechen, wirken meist harmonisch und ausbalanciert.
Du kannst dein Bild auch in der späteren Entwicklung über das Freistellen-Tool an den goldenen Schnitt, die Drittelregel oder auch der goldenen Spirale, auch Fibonacci Spirale genannt, ausrichten.

goldene Spirale / Fibonacci Spirale

8.3 Lichtverhältnisse

Die Lichtrichtung spielt hier eine große Rolle.
Wenn Du bei Sonnenlicht mit Licht im Rücken fotografierst (Vorderlicht 0 – 20°), ist zwar die Belichtung einfach, allerdings fehlt dem Bild dann Schatten. Dadurch wirkt das Bild oft unnatürlich, da der Schatten ein wichtiger Teil ist, der auch für einen gewissen dreidimensionalen Eindruck sorgt.

Neben dem Vorderlicht gibt es noch das Seitenlicht, das Streiflicht und das Gegenlicht.

Im Seitenlicht fallen die Schatten zur Seite und erzeugen Räumlichkeit, so wird das Bild kontrastreich und spannend.
(Licht aus ca. 20 – 80°)

Das Streiflicht kommt direkt von der Seite (Licht aus ca. 80 – 100°) und eignet sich sehr gut um Konturen darzustellen.

Das Gegenlicht (mehr als 100°) sorgt für die größten Kontraste. Die vollautomatische Belichtung stößt hier schnell mal an ihre Grenzen. Im Gegenlicht entstehen aber oft die interessantesten Bilder mit richtig toller Stimmung.

Ein Problem, welches hier entsteht, ist die Tatsache, dass dein eigentliches Motiv nicht genügend Licht bekommt, also zu dunkel wirkt. Dies kannst Du mit Reflektoren oder einem Aufhellblitz ausgleichen.

Willst Du etwas zeigen, dann mit dem Licht, also Vorderlicht.

Willst Du formen, dann nimm Seitenlicht.

Willst Du Stimmung erzeugen, dann mit Gegenlicht.

Eine weitere Rolle spielt die Lichthöhe.
Tagsüber hast Du im freien meist Oberlicht, welches logischerweise mehr oder weniger von oben kommt.
Dies erzeugt bei Portraits unschöne Schatten unter der Nase und unter dem Kinn und ist daher für Portraits weniger geeignet.

Hier wird dann gerne das Unterlicht verwendet, das aus einer Position unterhalb der Kamera kommt. Das kannst Du aber nur mit extra Lampen oder Blitzen realisieren.
Unterlicht wirkt oft unnatürlich, betont das Motiv aber in besonderer Art und Weise.

Direktes Sonnenlicht wird als hartes Licht bezeichnet, weil es für ausgeprägte Schatten und hohe Kontraste sorgt

Je mehr Wolken am Himmel stehen, desto weicher wird das Licht, welches man auch gerne als diffuses Licht bezeichnet.

Dieses weiche Licht erzeugt sanftere Fotos, weil die Schatten heller wirken und die Ränder unschärfer.

Dein Bild wirkt sanfter als bei direkter Belichtung mit starkem Schatten.

8.4 Führende Linien

Linien sind ein wichtiges Mittel, um dein Bild zu strukturieren. Sie lenken den Blick des Betrachters, deshalb nennt man sie auch Fluchtlinien, weil sie im besten Fall den Blick aufs Hauptmotiv lenken und dort zusammentreffen, der sogenannte Fluchtpunkt.
Diese Linien erzeugen Räumlichkeit, also Tiefe.
Achte beim fotografieren auf Linien, welche Du ab jetzt wahrscheinlich permanent sehen wirst. Straßen, Mauern, Zäune, Wege, Leitungen, Hecken usw.
Du kannst den Blick aber auch

Führende Linien – F3.5 – 8 S. – ISO 100 – 27 mm

anderweitig lenken, wenn dein Modell zum Beispiel in eine bestimmte Richtung sieht, schaut der Betrachter automatisch auch in diese Richtung auf dem Bild.

Hast Du jetzt Diagonalen im Bild, also Linien die weder senkrecht noch waagerecht verlaufen, so erzeugst Du besonders viel Spannung und Räumlichkeit.
Wenn Dein Bild keine Diagonalen hat, so kannst Du das evtl. durch einen Perspektivwechsel ändern (von der Seite statt von vorne).
Das seitliche fotografieren hat den Vorteil, dass Strukturen besser sichtbar werden, außerdem richtet sich der Blick des Betrachters in der Regel immer nach den Linien und Diagonalen.

Waagerechte und Senkrechte Linien können dir helfen, dein Bild räumlich zu teilen, denke hier bitte immer auch an den goldenen Schnitt. Waagerechte Linien verlaufen horizontal und senkrechte vertikal.

Führende Linien – F3.5 – 1/60 S. – ISO 640 – 40 mm

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