7. Bildgestaltung

7.1 Allgemein

Die Bildgestaltung, auch Komposition genannt, ist eines der wesentlichen Gebiete in der Fotografie.
Vor jedem Foto macht man sich eigentlich erst einmal Gedanken über die Bildgestaltung.
Vor allem als Laie oder eben Anfänger neigt man dazu, die Bildgestaltung außer Acht zu lassen, bzw. sie zu ignorieren.
Diese dadurch entstandenen Aufnahmen nennt man dann Knipsbilder oder Schnappschüsse, weil sie ohne großes Nachdenken einfach geknipst werden.
Das so geknipste Bild ist dann sehr oft enttäuschend, was fast jede/r schon einmal erlebt haben dürfte. Das Bild wirkt oft flach, ausdruckslos oder langweilig, also komplett anders, als man es selbst erlebt und sich für sein Bild vorgestellt hat.
Das liegt daran, dass wir mit unseren Augen die Welt räumlich wahrnehmen, wohingegen die Kamera nur ein Auge zur Verfügung hat und somit nur zweidimensionale Bilder erzeugt.
Wenn Du jetzt eines deiner beiden Augen schließt oder zuhältst, wirst Du ähnlich wie die Kamera eine ganz andere Wirkung feststellen.

Jetzt geht es also darum, deine Knippsbilder so weit zu verbessern, dass es aben keine Knippsbilder oder Schnappschüsse mehr sind, sondern durchdachte, ansprechende Fotos, welche diesen Namen auch verdient haben.

Hierfür gibt es einige Tipps und Regeln die Dir dabei helfen.

Als erstes musst Du ein geeignetes Motiv finden, dieses im Bild positionieren und dann Tiefe erzeugen (so erstellst Du zum Teil die Dreidimensionalität, die Du mit deinen Augen siehst, auch auf deinem Foto).
Die meisten dieser Regeln sind total einfach und nachvollziehbar. Wenn Du diese verinnerlichst, ist die Chance, tolle Bilder zu kreieren um ein Vielfaches höher.
Auch wenn Du es anfangs vielleicht öfter mal vergisst, so wird sich der Ablauf mit jeder bewussten Anwendung weiter und weiter in dein Hirn einbrennen und irgendwann hast Du das ganze so sehr verinnerlicht, dass Du ganz automatisch nach diesen Regeln fotografierst.

7.2 Die Bildgestaltung

Die Bildgestaltung (Komposition) ist die Anordnung und Verbindung formaler Elemente in einem Kunstwerk.
Weitere Bestandteilebei der Gestaltung sind Farben, Kontraste, Strukturen, Bildausschnitt, Perspektive, Schärfentiefe, Brennweite und Belichtungszeit.

Du hast somit jede Menge Werkzeuge zur Verfügung, um dein Bild vielfältig zu gestalten.
Welche Du einsetzt und wie, um welchen Look zu erzielen etc. liegt einzig und alleine an dir selbst. Du bekommst hier lediglich die Richtlinien und Regeln von mir aufgezeigt, die Du befolgen kennst, jedoch nicht musst.
ACHTUNG ! Jetzt wird`s vielleicht etwas verwirrend für Dich.

Viele Weltberühmte Bilder brechen diese Regeln bewusst und sind genau deshalb so besonders.

Mit diesen Regeln und Richtlinien hast Du dann weitere Werkzeuge, die Dir helfen, deine Bilder besser werden zu lassen, die jedoch kein Muss sind und in manchen Fällen gebrochen werden können, sollen oder müssen.

Ganz schön verwirrend, ich weiß. Um die Regeln bewusst zu brechen, muss man sie aber erst einmal kennen. Außerdem kann es nicht schaden, das Brechen der Regeln mit Bedacht anzuwenden, denn dies führt nicht automatisch zu guten Bildern, sondern kann durchaus auch in Chaos und Ausschuss enden. Wenn am Ende das Bild stimmt, dann hast Du alles richtig gemacht.

7.3 Motive sehen und komponieren

Das Motiv deines Fotos ist im eigentlichen Sinne immer der Teil im Bild, welcher den Blick auf sich zieht, somit der wichtigste Teil deines Fotos. Bei einem Portrait zum Beispiel die abgebildete Person. Logisch oder ?
Es gibt allerdings Situationen wo das eigentliche Motiv von sogenanntem Beiwerk begleitet wird, somit besteht dein Bild aus einem Motiv und entsprechenden Nebenmotiven.

Und dann gibt es noch Situationen wo eigentlich gar kein klassisches Hauptmotiv vorhanden ist. Bei Landschaftsaufnahmen ist dies oft der Fall, hier ist das ganze Bild im Gesamten das Motiv.

Du siehst, deine Gestaltungsmöglichkeiten sind bei der Fotografie riesengroß.

Hauptmotiv Baum – F5.6 – 1/1250 S. – ISO 100 – 11 mm

Dein Hauptmotiv sollte, sofern Du eines hast, die Aufmerksamkeit auf automatisch auf sich ziehen.
Du ordnest den Bildausschnitt und die Komposition so an, dass dein Motiv zum Blickfang wird. Ist das aufgrund der vorherrschenden Situation nicht der Fall, kannst Du das ganze beeinflussen, indem Du evtl. den Hintergrund unscharf werden lässt.
Vielleicht kann es auch Sinn machen, durch einen gezielten Zoom oder einer anderen Perspektive den Bildausschnitt zu ändern.

Landschaft – F9 – 1/125 S. – ISO 200 – 52 mm

Manchmal reicht es auch, einfach kurz zu warten, bis ein störendes Element verschwindet oder, wenn gar nichts anderes mehr möglich ist, kannst Du vielleicht in der späteren Bildbearbeitung noch Hand anlegen.

Die heutigen Bildbearbeitungsprogramme haben schier unbegrenzte Möglichkeiten.

Hast Du mehrere Motive im Bild, solltest Du allerdings darauf achten, dass diese einigermaßen sinnvoll verteilt und angeordnet sind und nicht in vollkommenem Chaos enden. Außer Du willst genau dieses Chaos ablichten, dann ist selbst das vollkommen gerechtfertigt.

Hauptmotiv Segelboot, die Insel als Nebenmotiv – F6.3 – 1/1250 S. – ISO 100 – 200 mm

Ach, Fotografie ist so vielseitig und schön.

7.4 Bildaufbau

In den meisten Fällen besteht ein Bild aus Vordergrund, Mittelgrund und Hintergrund. Manchmal auch nur aus Vorder- und Hintergrund.

Vorder-Mittel-Hintergrund – F5.6 – 1/400 S. – ISO 100 – 24 mm

Das Motiv befindet sich meist im vorderen Teil. Achte darauf, dass sich Vorder,- Mittel- und Hintergrund voneinander abheben, dann hast Du auch schon den ersten Schritt Richtung Komposition gemacht.

Bei der Aufteilung in diese drei Ebenen kannst Du für Räumlichkeit im Bild sorgen, oder bei mehreren Motiven in unterschiedlichen Ebenen ein sehr tiefenwirksames Bild kreieren.

Wenn Du jetzt beim Bildaufbau klare Schwerpunkte setzt, weiß der Betrachter gleich, was Sache ist.

Alles was im Bild hervorsticht, besonders groß, hell oder scharf ist zieht den Blick automatisch an.
Andererseits musst Du auch sehen, dass Du alles was den Blick ablenken könnte, irgendwie ausblendest oder am besten gleich weg lässt.

Die klare Aufteilung in Vorder- und Hintergrund sorgt für Ordnung im Bild, dies funktioniert, indem Du gezielt Schärfe und Unschärfe einsetzt oder evtl. zur Verfügung stehende Linien nutzt um den Blick zu lenken.

Der Hintergrund deines Bildes kann die Aussage und die Wirkung deines Bildes entscheidend beeinflussen, indem Du störende Elemente weg lässt, oder Details mit einbeziehst.

7.5 Hintergrund

Der Hintergrund ist mal mehr, mal weniger wichtig. Da aber in den meisten Fällen das Motiv nicht ohne Hintergrund abgelichtet werden kann, wirst Du dich diesem auch widmen müssen.

Ist er unwichtig, bei Portraits oder Produktaufnahmen beispielsweise, dann sollte dein Hintergrund möglichst unauffällig sein und auf keinen Fall störende Elemente enthalten die vom Motiv ablenken könnten.

Ist er aber wichtig, zum Beispiel bei Landschaftsaufnahmen, so wirst Du dem Hintergrund logischerweise mehr Aufmerksamkeit schenken und ihm wahrscheinlich auch mehr Platz im Bild schenken. Ganz speziell bei Landschaften kann es sein, dass gerade der Hintergrund das Bild zu etwas besonderem macht.

Ist der Hintergrund für dich nicht das was Du dir vorgestellt hast, kannst Du zum Beispiel im freien den Himmel als Hintergrund nutzen, welcher oft durch seine Farben und Wolken spektakuläre Bilder ermöglicht.
Hier kann dir ein Perspektivwechsel helfen.

Landschaft mit spektakulärem Himmel – F20 – 1/160 S. – ISO 800 – 24 mm

Du kannst auch Hintergründe kaufen, oder in der Bildbearbeitung austauschen.
Ein gekaufter Hintergrund ist oft teuer und auch nicht sonderlich abwechslungsreich, da Du so ja immer den selben hast.
Hier kannst Du relativ günstig in die Trickkiste greifen und etwa Bettlaken, Tischdecken oder vorhandene Wände als Hintergrund verwenden.

Um den Hintergrund in der Bildbearbeitung zu tauschen, ist jedoch ein gewisses „Know how“ in der Bildbearbeitung nötig.
Hast Du dieses „Know how“, dann solltest Du versuchen das Bild möglichst vor neutralem und ruhigem Hintergrund aufzunehmen.
Besser wäre es natürlich, Du nimmst das Bild so auf, dass es gleich passt.

In der Produkt- und Makrofotografie werden oftmals auch sogenannte Lichtzelte verwendet, welche es ermöglichen, das Motiv mit einem gleichmäßigen, meist weißem Hintergrund aufzunehmen.
Zusätzlich ist dies auch eine gute Möglichkeit, das Motiv später leichter freizustellen, was speziell bei Produkten oft gewünscht wird.

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