4. Belichtungsdreieck

4.1 Blende, ISO, Belichtungszeit

Um das sogenannte Belichtungsdreieck besser zu verstehen, kann es nicht schaden, etwas mehr über die technischen Abläufe deiner Kamera zu wissen.
Je mehr Du über diese Abläufe weißt, desto besser kannst Du die technischen und gestalterischen Möglichkeiten nutzen.

Sobald Du den Auslöser antippst, stellt der Autofokus (vorausgesetzt Du fokussierst nicht manuell) auf das von Dir anvisierte Motiv scharf.
Zeitgleich misst deine Kamera, wie viel Licht vom Motiv zurückgeworfen wird und analysiert dieses Licht. Dies geschieht alles in einem Bruchteil von Sekunden. Die Kamera erkennt also die Menge des Lichts (Helligkeit) und auch die Farbe des Lichts (Lichttemperatur).
Wenn Du jetzt den Auslöser ganz durchdrückst, öffnet sich der Verschluss, das Licht gelangt durch die Blendenöffnung des Objektivs auf den Sensor. Dieser wandelt die Farb- und Helligkeitssignale in elektrische Impulse um und schickt sie zum Prozessor weiter, wo sie schließlich zum digitalen Foto weiterverarbeitet und anschließend auf der Speicherkarte gespeichert werden.
Für die richtige Wiedergabe der Farben sorgt der Weißabgleich, welchen Du vorher einstellst. Dieser kann allerdings nachträglich in der Bearbeitung geändert werden, sofern Du im RAW-Format speicherst.
Um ein Foto richtig zu belichten, ist immer eine bestimmte Menge an Licht nötig, die auf dem Sensor ankommen muss.
Um dieses Licht richtig zu dosieren, stehen dir eben diese drei Werkzeuge zur Verfügung.
Die Größe des „Lochs“ (Blende), der Zeitraum über den der Verschluss geöffnet bleibt (Belichtungszeit) und die Lichtempfindlichkeit des Sensors (ISO-Wert).

Eine sehr große Hilfe ist übrigens die sogenannte Belichtungsmessung, welche dir zeigt wie viel Licht nötig ist und und wie viel schon vorhanden ist.

manuelle Belichtungssteuerung (Bild: Nikon)

4.2 Belichtungszeit

Dies ist die Zeit, in der der Verschluss deiner Kamera geöffnet ist. In dieser Zeit fällt also Licht auf den Sensor deiner Kamera. Bei den meisten Kameras sind die einstellbaren Belichtungszeiten zwischen 1/8000 Sekunde und 30 Sekunden, bei Einsteigerkameras wie z.B. der Nikon D3500 oder der Nikon D5600 zwischen 1/4000 und 30 Sekunden.

Je länger die Belichtungszeit ist, desto länger fällt Licht auf den Sensor und umso heller wird das Bild.
Eine lange Belichtungszeit hat, je nachdem wie lang sie ist, oft auch ein verwackeltes Bild zur Folge, außerdem kannst Du diesen Parameter dazu einsetzen, Dynamik ins Bild zu bringen, indem Du bewegte Objekte im Bild verschwimmen lässt. Hierzu ist aber meistens ein Stativ nötig.

Ein relativ gutes, weil leicht, robust und bezahlbar, welches ich Dir gerne empfehlen würde, ist das Rollei Allrounder Carbon Stativ.

Andererseits kannst Du mit einer sehr kurzen Belichtungszeit bewegte Objekte im Bild „einfrieren“, Wasser zum Beispiel, oder wenn Du beim Sport Fotos machst, dann brauchst Du auch eine relativ kurze Belichtungszeit.
Je schneller sich das Motiv bewegt, desto kürzer muss die Belichtungszeit sein, um das Motiv scharf darstellen zu können.

Um Verwacklungen auszugleichen, gibt es auch hier einen sehr nützlichen Helfer, welcher sich Bildstabilisator nennt. Dieser Bildstabilisator ist in vielen Kameras und auch in vielen Objektiven verbaut. Solltest Du allerdings mit einem Stativ unterwegs sein, solltest Du den „Stabi“ besser ausschalten, da er hier nämlich manchmal selbst zur Ursache für Verwacklungen werden kann.

Wasser als solches erkennbar „eingefroren“ F/8 – 1/100 S. – ISO 100 – 70 mm
Wasser verschwommen F/8 – 10 S. / ISO 100 / 70 mm

4.3 ISO

Der ISO-Wert gibt an, wie empfindlich dein Sensor (früher der Film) ist. Vergleichbar mit einem Sonnenbrand. Manche Menschen bekommen schon nach wenigen Minuten einen Sonnenbrand (sehr empfindlich), andere erst nach einigen Stunden (weniger empfindlich). Ist eine höhere ISO eingestellt, werden die ankommenden Signale verstärkt, was heißt, dass Du auch bei schlechteren Lichtverhältnissen noch zum Teil ohne Blitz und Stativ fotografieren kannst, ein „Joker“, wenn man so will.

Jetzt hast Du also einen „Lichtjoker“.
Dieser kann Dir vieles erleichtern, hat aber auch den Nachteil, dass er ja kein echtes Licht verwendet, sondern nur das vorhandene hochrechnet und verstärkt. Das wiederum führt dazu, dass Störungen in der Signalverarbeitung auftreten, das viel zitierte Bildrauschen, je nach Kameratyp mal mehr, mal weniger.

Das Rauschverhalten heutiger Kameras bei höheren ISO-Werten hat sich im Vergleich zu älteren Modellen deutlich verbessert, dennoch solltest Du beim Kauf deiner Kamera auch auf dieses Rauschverhalten achten, speziell, wenn Du schon weißt, dass Du öfter mal bei schwierigen Lichtverhältnissen fotografieren wirst.

Ein Bildausschnitt bei niedrigem ISO-Wert von 100, F6.3 – 1/80 S. – ISO 100- 100 mm
Bildausschnitt bei hoher ISO von 6400, F6.3 – 1/3200 S. – ISO 6400 – 100 mm

Wenn Du also schwierige Lichtverhältnisse hast, aber die Belichtungszeit nicht erhöhen willst, kannst Du mit einem höheren ISO-Wert aushelfen. Wenn Du die ISO-Zahl verdoppelst, verdoppelt sich somit auch die Helligkeit des Bildes, das heißt zwischen jedem dieser ISO-Werte verdoppelt sich die Empfindlichkeit: 100, 200, 400, 800, 1600, 3200, usw…

Achte aber auch stets darauf, dass mit jeder Erhöhung des ISO-Werts das Bildrauschen ebenfalls zunimmt.
Um diesem Rauschen vorzubeugen, hast Du dann allerdings noch eine weitere, sehr wichtige Möglichkeit, was uns zum dritten Punkt des Belichtungsdreiecks kommen lässt.

4.4 Die Blende

Die Blende, bzw. die Blendenöffnung ist das anfangs erwähnte Loch. Je größer dieses Loch ist, desto mehr Licht kommt durch und fällt auf den Sensor deiner Kamera. Eigentlich recht einfach.

Wenn wir uns die Blendenöffnung jetzt etwas genauer ansehen, dann erkennen wir die Blendenlamellen, die das Objektiv braucht um sich an die Helligkeit anzupassen. Vergleichbar ist die Blende mit unserem Auge, die Pupille schließt sich bei hellem Licht und öffnet sich bei Dunkelheit. Die Lamellen sorgen dafür, dass die Öffnung annähernd rund bleibt.

Wie weit Du die Blendenöffnung öffnen oder schließen kannst, liegt immer auch an der Bauweise des Objektivs. Die größtmögliche Blendenöffnung kannst Du auch wieder vorne auf dem Objektiv ablesen.

50 mm Objektiv mit Blende 1:1,8 = F1.8 (Bild: Andypoland auf Pixabay)


Die richtig guten Objektive haben eine große Öffnung, die Du an den kleinen Zahlenwerten wie F2.8, F2, F1.8 oder noch kleiner erkennst.

Was bei vielen für Verwirrung sorgt, ist die Tatsache, dass eine große Zahl für eine kleine Öffnung steht und umgekehrt.
Je größer die Zahl, desto kleiner ist also die Durchtrittsöffnung, also das Loch. Im Gegenzug ist das Loch größer, wenn die Zahl kleiner ist.

Objektiv mit unterschiedlichen Blendenöffnungen (Bild: KoeppigK / Wikipedia)

F2.8 = weit geöffnetes Loch = viel Licht auf dem Sensor.
F22 = geschlossenes Loch = sehr wenig Licht auf dem Sensor.

Ein Lichtstarkes Objektiv ist somit also ein Objektiv, welches bei Offenblende möglichst viel Licht auf den Sensor fallen lässt, meistens beginnen diese Objektive ab F2.8 und werden dementsprechend besser und auch teurer, je weiter sich die Blende öffnen lässt, F2, F1.8, F1,4 …

Der Grund warum man auf lichtstarke Objektive setzt, ist einerseits der größere Spielraum mit Licht, die bessere Abbildungsleistung und dann auch noch die bessere Freistellung.
Dies bedeutet, dass sich das eigentliche Motiv viel deutlicher vom Hintergrund und/oder Vordergrund trennen lässt.

geschlossene Blende F18

Je größer die Blendenöffnung (kleiner Wert), desto geringer die Schärfentiefe.
Je kleiner die Blendenöffnung (großer Wert), desto ausgeprägter ist die Schärfentiefe.
Kleine Blende = großes Loch = viel Licht = schöne Freistellung!

offene Blende F3

Die Blende ist also ein Werkzeug, welches Dir einen sehr großen fotografischen Gestaltungsspielraum ermöglicht.

4.5 Das Zusammenspiel von Blende, ISO und Zeit

Wir haben jetzt drei Werkzeuge kennengelernt, die uns helfen das Bild richtig zu belichten. Alle drei hängen direkt zusammen.
Jedes dieser Werkzeuge hat auch immer eine gewisse Wirkung.
Mit der Belichtungszeit kannst Du Situationen einfrieren und Dynamik ins Bild bringen.
Mit der Blende steuerst Du die Tiefenschärfe, und
mit dem ISO-Wert als „Joker“ kannst Du die Lichtverhältnisse ausgleichen.
Den ISO-Wert solltest Du aber wirklich nur einsetzen, wenn es unbedingt nötig ist, damit Du das Bildrauschen verhinderst, sprich, so viel wie nötig, aber so wenig wie möglich.

Willst Du, dass der Hintergrund verschwimmt, musst Du die Blende weit öffnen. Soll möglichst viel auf deinem Foto Scharf sein, musst Du die Blende weiter schließen.

Soll fließendes Wasser glatt und milchig werden, brauchst Du eine lange Belichtungszeit, willst Du das Wasser einfrieren, brauchst Du eine kurze Belichtungszeit.

Je offener die Blende, desto mehr Licht fällt auf den Sensor, also auch eine kürzere Belichtungszeit.
Je geschlossener die Blende, desto weniger Licht fällt auf den Sensor, umso länger muss die Belichtungszeit sein.

Ihr wollt mich und meine Arbeit unterstützen ?
Ganz unten auf meiner Seite gibt es einen Paypal-Spendenbutton oder Du bestellst deine Produkte in Amazon über diesen Link

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.